Das Sparpaket der Bundesregierung

Montag, 14. Juni 2010 10:20

Dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise große Auswirkungen auch in Deutschland hat und weiter haben wird, das wissen wir seit einigen Monaten. Welche Anstrengungen die deutschen Steuerzahler derzeit auf sich nehmen müssen und welche Lasten sie in Zukunft zu schultern haben werden, um das eigene Staatsdefizit nachhaltig abzubauen – das Grundgesetz sieht ab 2016 für den Bund, ab 2020 für die Länder eine sogenannte „Schuldenbremse“ zwingend vor – , darüber werden wir uns noch alle wundern. Die Bundesregierung hat nun dargelegt, wie und wo sie in Zukunft sparen möchte. Das ist auch nötig, denn nicht allein das deutsche Staatsdefizit ist es, was uns in die Knie zwingt. Es sind auch die Verpflichtungen, die wir innerhalb der Europäischen Währungsunion eingehen. Eingehen müssen, wie ich betonen möchte. Denn bei aller Last, die da zusätzlich auf unseren Schultern liegt: Wir brauchen die gemeinsame Währung, wir brauchen einen starken Euro.

Deshalb müssen wir alles tun, um den Euro und die Europäische Union gegen Finanzspekulanten und andere ökonomische Angriffe zu schützen. Vor dem Hintergrund der Globalisierung ist dies die einzige Möglichkeit, auch weiterhin eine maßgebliche Rolle im internationalen Wirtschaftsgefüge einzunehmen. Ich frage mich allerdings, warum in den vergangenen Monaten so wenige Anstrengungen unternommen wurden, um die Finanzmärkte (wieder) in ihre Schranken zu verweisen und stärker zu regulieren. Da hätte mehr passieren müssen, und diesen Vorwurf müssen sich die Verantwortlichen auf nationaler und europäischer Ebene, in der Politik, den Notenbanken und den Finanzaufsichtsbehörden, nicht nur gefallen lassen, sondern sie sollten zur Begründung ihrer Rat- und Tatenlosigkeit auch sehr gute Argumente parat haben.

Deutschland muss sparen. Das ist keine Frage. Die Spitzen der Regierungskoalition haben ein Paket geschnürt, das dazu beitragen soll, die ärgste Finanznot zu lindern. 40 Milliarden Euro sollen bis zum Jahr 2014 eingespart werden, allein 2011 wird der Rotstift bei Ausgaben von 11 Milliarden Euro angesetzt.
Die tiefsten Einschnitte gibt es bei den Sozialausgaben – was nicht verwundert, weil die Staatsausgaben dort am höchsten sind. Doch auch die Wirtschaft wird ordentlich zur Kasse gebeten, insbesondere durch zusätzliche Abgaben. Infos zum geplanten Sparpaket finden Sie hier. Der Bau des umstrittenen Berliner Stadtschlosses soll aufgeschoben werden, und auch sonst ist damit zu rechnen, dass insbesondere beim Bau und beim Unterhalt verschiedener Infrastrukturprojekte „nein“ gesagt wird.

Und hier wird auch das ganze Dilemma der Politik „nach Kassenlage“ deutlich. Denn aufs Schärfste muss man sich gegen Aussagen wie beispielsweise die des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle verwahren, wir hätten in den vergangenen Jahren über unsere Verhältnisse gelebt. Ich jedenfalls nicht. Sie vielleicht? Irgendjemand sonst aus Ihrem Bekanntenkreis?

Tatsache ist, dass die Politiker seit Jahrzehnten mehr Geld ausgeben, als wir Steuerzahler ihnen für die Erledigung der staatlichen Aufgaben zur Verfügung stellen. Und Tatsache ist eben auch, dass sie die Steuergelder nicht selten für die falschen Dinge ausgeben – und ohne wirklichen „Masterplan“. Wenn im einen Jahr die Ausgaben für die Bildung erhöht werden, z.B. weil so etwas im Wahlkampf gut ankommt, dann werden sie im nächsten Jahr wieder gekürzt, weil kein Geld mehr da ist. Konsistente Bildungspolitik ist so nicht möglich!

Wenn im einen Jahr ein Autobahnteilstück saniert wird, dann steht der Berufsverkehr ganz sicher im nächsten Jahr zwei Kilometer weiter am nächsten Nadelöhr im Stau, für dessen Instandhaltung leider kein Geld mehr da war. Volkswirtschaftlich vollkommener Unsinn, aber eben Politik nach Kassenlage. Und wehe, während des Verlauf eines Projekts findet ein Regierungswechsel statt. Dann wird – weil man das sich selbst ja schuldig ist – jedes frühere Projekt des politischen Gegners aus Prinzip in Frage gestellt.

Was hilft? Natürlich müssen wir sparen! Aber nicht an den Investitionen, die unser Land zukunftsfähig machen. Und sicherlich auch nicht dort, wo unsere soziale Marktwirtschaft gefährdet ist. Wir müssen uns davon lösen, kurzfristig im einen Jahr entscheiden zu müssen, was wir uns im nächsten Jahr gerade eben noch leisten können. Das bedeutet, wir brauchen finanzielle Spielräume, nicht finanzielle Engpässe. Einsparpotenzial sehe ich beispielsweise im Gesundheitswesen. Dort wundert mich immer, mit welch geringen Löhnen viele Beschäftigte auskommen müssen und wie die Leistungen für die Patienten reglementiert werden, während ich gleichzeitig selten höre, dass Pharmakonzerne wirklich Not leiden. Ich glaube auch, dass aufgrund der demografischen Entwicklung der Generationenvertrag nicht mehr ausreichend funktioniert und dass wir deshalb in diesem Bereich Alternativen brauchen. Auch könnte ich mir vorstellen, dass „Versicherungen“, die derzeit vom Staat organisiert werden, künftig privatwirtschaftlich angeboten werden. Eine private Arbeitslosenversicherung – warum denn nicht?

Ich sage bewusst nicht, dass diese Vorschläge ein Allheilmittel sind. Aber ich fordere dringend dazu auf, die strukturellen Probleme dieses Landes zu lösen und dabei vorurteilsfrei und kreativ vorzugehen. Tabus beim Ansprechen der Probleme und bei der Überlegung, wie man damit in Zukunft umgehen könnte, darf es nicht geben. Nur so schaffen wir es, unsere Probleme wirklich zu lösen.

Und es nimmt ja wohl hoffentlich niemand an, das Sparpaket der Bundesregierung löse irgendein Problem? Es ist lediglich ein Herumdoktern an den Symptomen. Und das, müssten mittlerweile eigentlich alle begriffen haben, bringt uns nicht weiter. Es hilft uns nur, uns bis ins nächste Jahr zu schleppen. Und dann geht das Ganze wieder von vorne los. Ist das die Politik, die Sie möchten? Ist das das, was Sie von Ihrem Staat erwarten?

Ich erwarte mehr!

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Bei Verkehrsinvestitionen zahlt sich letztlich nur eines aus: Qualität bei Planung und Bau

Mittwoch, 14. April 2010 22:32

Mehr als 300 Seiten umfasst der Verkehrsinvestitionsbericht 2009, der dem Deutschen Bundestag als eine der Grundlagen für die Beratungen und die Verabschiedung des Etats 2010 am 19. März gedient hat. Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer hatte in seiner Rede im Rahmen der Debatte um den Haushalt betont, er wolle neue Akzente in der Verkehrs-, Bau- und Stadtentwicklungspolitik setzen, damit die Menschen in Deutschland gut und sicher fahren, bauen und wohnen könnten. 26,3 Milliarden Euro umfasst der Haushalt des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Er ist damit der der größte Investitionsetat des Bundeshaushalts und der viertgrößte Einzeletat insgesamt. Ramsauer: „Mein Ziel ist es, Mobilität als wichtige Lebensgrundlage für unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Wirtschaft zu sichern. Wir müssen unsere Infrastruktur erhalten, ertüchtigen und ausbauen. Alle drei Elemente sind schon deshalb wichtig, um den prognostizierten Anstieg des gesamten Verkehrs verkraften zu können.“

Und da gibt es viel zu tun! Im Verkehrsinvestitionsbericht (Drucksache 17/444) hat die Bundesregierung – aufgeschlüsselt nach Projekten, Verkehrsträgern und Bundesländern – akribisch aufgelistet, in welchem Zustand sich das überregionale Straßen- und Schienennetz sowie die Wasserstraßen in Deutschland derzeit befinden. Das Ergebnis verblüfft jedenfalls die Experten nicht: Es gibt enormen Investitionsbedarf. Insbesondere die Brücken an Autobahnen und Bundesfernstraßen sind in keinem besonders guten Zustand. Als „noch ausreichend“ oder schlechter werden 47 Prozent der Bauwerke eingestuft. Das ist meiner Ansicht nach kein gutes Zeugnis für ein Land, das zum großen Teil vom Export lebt und eine Funktion als Infrastruktur-Drehscheibe in der Mitte Europas inne hat und von dieser wirtschaftlich auch enorm profitiert. Zum Vergleich: 2001 waren „lediglich“ 36 Prozent der entsprechenden Brücken in einem ähnlich schlechten Zustand.

Tatsache ist, dass der Bund zwar große Anstrengungen unternimmt, um die Bauwerke instand zu halten. Tatsache ist aber auch, dass diese Anstrengungen bei weitem nicht ausreichen. Der Sanierungsbedarf an den zu einem großen Teil aus den 60er- und 70er-Jahren stammenden Streckenabschnitten und Brücken wächst schneller als die zur Verfügung gestellten Mittel.

Wer sich im Bauwesen auskennt, weiß: Nach 40 Jahren des Betriebs ist dort in den meisten Fällen eine Grundsanierung notwendig. Die ist zwar aufwändig, aber sie ist auch unerlässlich, wenn die Betriebssicherheit gewährleistet werden soll.

Rund 2,1 Milliarden Euro wird der Bund laut Etat 2010 in die Erhaltung der Fernstraßen investieren, sechs Milliarden in die Fernstraßen insgesamt. Das ist im Vergleich mit 1,5 Milliarden an Mitteln zur Erhaltung im Jahr 2005 zwar ein deutlicher Anstieg. Aber es ist dennoch bei weitem nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken. 300 Millionen hiervon stammen beispielsweise einmalig aus dem Konjunkturpaket II.

Schon ab dem kommenden Jahr sollen die Mittel laut Finanzplanung wieder drastisch sinken! So lässt sich die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland jedoch nicht bedarfsgerecht weiter entwickeln. so lässt sich unser Infrastrukturnetz, das die wichtigste Grundlage für eine insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung darstellt, nicht funktionstüchtig erhalten oder gar ausbauen.

Da die zur Verfügung gestellten Mittel ohnehin knapp sind, muss auf größtmögliche Effizienz geachtet werden, um eine nachhaltige Wirkung der Investitionen zu erzielen. Dabei gilt die oberste Maxime allen Bauens: Das Billigste ist definitiv nicht das Beste! Bund, Länder und Kommunen sollten noch stärker, als dies heute bereits der Fall ist, die Kosten einer Baumaßnahme über ihren gesamten Lebenszyklus betrachten. Gerade die heute anstehenden Generalsanierungen von Bauwerken, die höchstens 30 oder 40 Jahre alt sind, sollten uns zu denken geben. Eine qualitätsvolle Planung und eine hochwertige Bauausführung tragen dazu bei, die Kosten eines Brückenbauwerks, einer Schienenstrecke oder eines Fernstraßenabschnitts mittel- und langfristig gering zu halten.

Wirtschaftlich ist, heute mit qualifizierten Planern und Bauausführenden hochwertige Objekte zu realisieren, um im Bauwerksunterhalt während der gesamten Lebensdauer dann bares Geld zu sparen. Dass dies nur dann gelingt, wenn hochwertige Planungsleistungen beauftragt und auskömmlich honoriert werden, versteht sich von selbst. Gute Planung, qualitätsvolle Bauausführung und verantwortungsbewusste Bauüberwachung gibt es nicht vorkonfektioniert als Discount-Produkt von der Stange. Sie sind immer dem Anlass und dem Kundenwunsch entsprechend maßgeschneidert. Sie sind aber in jedem Fall preiswert, denn sie sind ihren Preis in der Tat wert!

Wenn es der Bundesregierung schon nicht gelingt, im Haushalt die wirklich benötigten Mittel bereit zu stellen, um unsere Verkehrsinfrastruktur zumindest auf dem jetzigen Stand zu erhalten, dann muss zumindest dafür Sorge getragen werden, dass die knappen Mittel in eines Investiert werden: in Qualität. Und diese Qualität zu planen und zu bauen, ist uns tägliche Aufgabe und Verpflichtung zugleich.

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Unabhängige Überwachung kann vor individuellem Fehlverhalten und krimineller Energie schützen

Freitag, 19. Februar 2010 11:30

Die Ermittlungen, in denen die Ursachen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs geklärt und die Schuldigen gefunden werden sollen, fördern unglaubliche Machenschaften zu Tage. Sie haben das sicherlich in den Medien verfolgt. Ein großer Teil der Eisenbügel, die in Teilen der Wände der im Bau befindlichen U-Bahn-Tunnel hätte eingeflochten werden sollen, wurde nicht verbaut, sondern verhökert. Man muss sich das vergegenwärtigen: Fünf Tonnen Stahl wurden entwendet, um sie an einen Schrotthändler zu verkaufen. Und niemand – außer natürlich den (nach Medienberichten geständigen) Straftätern – hat das Fehlen bemerkt, weder im Vorfeld, noch während des Bauablaufs.

Mittlerweile wird außerdem berichtet, dass zu wenig Beton verbaut wurde. Gutachter haben Medienberichten zufolge festgestellt, dass die Werte von Vermessungsprotokollen von Schlitzwänden verfälscht wurden. Außerdem sollen in Protokollen des Betoniervorgangs, in denen dokumentiert wird, wie viel Beton in die Lamelle gefüllt wird, Zahlen vertauscht worden sein. Insgesamt verdichten sich, so titelt der Kölner Stadtanzeiger, die Anzeichen auf „Betrug im großen Stil“.
Man darf gespannt sein, was die weiteren Ermittlungen ans Tageslicht bringen werden.

Zwei Tote sind zu beklagen, und beim Einsturz des Archivs ist ein nicht näher zu beziffernder Schaden an wertvollem Kulturgut entstanden. Die Kosten, die bislang aufgelaufen sind und die noch entstehen werden, um die Vorkommnisse aufzuklären sowie den U-Bahn-Bau zu überprüfen, zu sichern und, was ja notwendig sein wird, instand zu setzen und irgendwann betriebsfähig zu machen, möchte ich mir derzeit lieber gar nicht vorstellen.

Von den U-Bahn-Bauten in Köln geht momentan, so wurde uns vergangene Woche nach eingehenden Kontrollen versichert, keine weitere Gefahr aus. Wir wissen heute allerdings noch nicht, ob die mittlerweile zahlreich entdeckten Baumängel wirklich die einzigen sind. Sollte dies nicht der Fall sein, so können wir nur hoffen, dass es den Verantwortlichen gelingt, rechtzeitig alle anderen Bauwerke und Bauabschnitte zu finden, bei denen unter Umständen ebenfalls in krimineller Weise Material entwendet und nicht verbaut oder in einer sonstigen Art und Weise geschlampt oder betrogen wurde.

Es liegt mir fern, in besserwisserischer Manier den Zeigefinger zu erheben, um zu erläutern, wie die Vorkommnisse hätten vermieden werden können. Doch es muss es erlaubt sein, nach den Ursachen zu fragen, die zu derartigen Ungeheuerlichkeiten führen konnten. Für mich ist es ganz offensichtlich: Wären im bewährten Sicherheitssystem keine Lücken geöffnet worden, hätte sich die Angst der Menschen in Köln vermeiden lassen.

Und genau aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle die Forderung der Ingenieurkammer-Bau NRW wiederholen: Das bewährte Vier-Augen-Prinzip muss mit Leben gefüllt werden! Vier Augen sehen mehr als zwei, und eine Instanz, die sich selbst kontrolliert, funktioniert nicht. Eine weitere Sicherheitsebene ist dringend notwendig. Diese kann nur aus einer fachlich qualifizierten, von Interessen der Bauherren und Bauausführenden unabhängigen Begleitung von Bauvorhaben bestehen. Denn genau darin liegt die Krux: Liegen diese Funktionen in einer Hand, ist Missbrauch möglich, sei es durch Unkenntnis, durch Unvermögen oder – wie in Köln – durch kriminelle Energie.

Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Umso dringender muss nun gehandelt werden, um individuelles Fehlverhalten künftig ebenso ausschließen zu können wie groß angelegten Betrug. Die bestehende Sicherheitslücke muss geschlossen werden. Wir verfügen über bestens ausgebildete Ingenieure und über modernste Techniken und Verfahren, um auch die anspruchsvollsten Bauaufgaben zu lösen und zu überwachen. Die Schwachstelle ist der Mensch – der im Fall des Kölner-U-Bahn-Skandals mit enormer krimineller Energie zugange war. Unabhängige Überwachung und unabhängige Aufsicht sind die einzigen Möglichkeiten, um diese Schwachstellen zu beseitigen. Denn vier Augen sehen mehr als zwei.

An dieser Stelle sind einige der Berichte über den Prozess verlinkt, weitere finden Sie problemlos über Suchmaschinen. Auch die Kammer als berufsständische Vertretung der Ingenieure des Bau- und Vermessungswesens hatten die Gelegenheit, sich zum Thema zu äußern. Ich hoffe inständig, dass wir mit unserer Auffassung Gehör finden.

ARD Tagesschau
ZDF heute vom 12.02.2010
phoenix vom 12.02.2010
WDR vom 13.02.2010
Deutschlandfunk vom 18.02.2010
FAZ.NET vom 16.02.2010
Welt online vom 18.02.2010 (s. auch weiterführende Links)
derwesten.de vom 16.02.2010
Ruhr-Nachrichten vom 09.02.2010
Hamburger Abendblatt vom 18.02.2010



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Ein Bauwerk fürs Prestige, nicht für die Baukultur

Montag, 1. Februar 2010 15:24

Da steht er nun, Downtown Dubai. Gestalterisch nicht wahnsinnig revolutionär, aber technisch sicherlich interessant: der Burj Khalifa. Das derzeit und vermutlich auch auf absehbare Zeit höchste Gebäude der Welt ragt über 800 Meter in die Höhe und geizt auch sonst mit Superlativen. 160 Stockwerke, das höchste belegte Stockwerk der Welt (auf über 550 Metern Höhe), der längste Aufzugsschacht der Welt (der Serviceaufzug fährt bis auf 504 Meter), sehr teure Wohnungen, sehr teure Büros, und, und, und … Die Bausumme wird mit rund 2,85 Milliarden Euro angegeben. Wer sich zum gemütlichen Dinner auf Etage 122 zurückzieht oder von der Aussichtsplattform auf Etage 124 den sicherlich grandiosen Blick über die in den vergangenen Jahren aus dem Wüstensand gestampfte Retortenmetropole gleiten lässt, wird wohl beeindruckt sein. Es handelt sich ja auch in der Tat um beeindruckende Leistungen, die sich hinter der Planung und dem Bau dieses Bauwerks verbergen.

Hier einige der Fakten. Das Gebäude ist mit 828 Metern ziemlich genau 320 Meter höher als Taipei 101, das Gebäude, das seit 2004 die Liste der höchsten Gebäude anführte (508 Meter). 330.000 Kubikmeter Beton wurden verbaut, darin verbergen sich 39.000 Tonnen Bewehrungsstahl, umhüllt wird das Ganze von 142.000 Quadratmetern Glasfläche. Wie aufwändig Planung und Bau waren, zeigt eine andere Zahl: Für die Errichtung des Burj Khalifa waren 22 Millionen Arbeitsstunden nötig.

Die internationale Fachwelt hat sowohl Planung als auch Bau dieses „Tallest of the Tallest“, so einer der zahlreichen Eigenwerbe-Slogans, in den vergangenen Jahren mit professionellem Interesse verfolgt. Vom technischen Standpunkt aus gesehen ist es für Ingenieure natürlich eine Herausforderung, ein derartiges Gebäude so zu konstruieren, dass es sicher und funktionsfähig ist. Aber eine Rechtfertigung für das Projekt an sich ist damit natürlich nicht zwingend gegeben.

Denn nicht alles, was machbar ist, muss auch gemacht werden.

Genau deshalb stelle ich mir die Frage: Ist es verantwortbar solche Gebäude zu errichten ? Sind sie zeitgemäß, nachhaltig und angemessen im Einsatz unserer begrenzten Ressourcen ? Sind sie notwendig? Und haben sie auch nur im Entferntesten etwas mit Baukultur zu tun?

Beim Burj Kalifa geht es vorrangig ums Prestige und um nichts anderes. Das Signal, das in alle Welt gehen soll, lautet: Schaut her, wir können das – und nur wir in Dubai können das. Fakt ist, dass sie es doch nicht ganz alleine konnten. Zumindest war das Gebäude letztlich so teuer, dass nur die großzügige finanzielle Unterstützung des Nachbaremirats den Staatsbankrott in Dubai verhindert hat. Kunststück – 2,85 Milliarden Euro sind ja auch kein Pappenstiel und letztlich eine ziemlich teure Werbekampagne für einen ehemals wohlhabenden Staat, der sich in der Vergangenheit immer wieder mit ebenso spektakulären wie fragwürdigen Bauprojekten in die Medien und damit ins Bewusstsein der weltweiten Öffentlichkeit geschlichen hat. Erinnert sei nur an die künstlich aufgeschütteten „Palmeninseln“ – wenn ich richtig informiert bin, haben auch die die in sie gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt. Jedenfalls hat die Finanzspritze des (noch?) wohlhabenderen Nachbaremirats dazu geführt, dass das Gebäude nicht, wie ursprünglich geplant, Burj Dubai, sondern eben Burj Khalifa heißt – ein „Dankeschön“ für den finanziellen Hilfskraftakt.

Und nun stehen wir, die wir uns den Werten der (abendländisch-westlichen) Baukultur und den Erfordernissen der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen, wir, die wir uns mit Ökonomie und Ökologie von Baumaßnahmen gleichermaßen befassen wie mit den Bedürfnissen von Bauherren, Nutzern und Gesellschaft, vor diesem Gebäude. Und wir fragen uns, was das alles mit Baukultur im 21. Jahrhundert zu tun haben könnte. Die Antwort ist einfach: Nicht viel. Es ist reines Imponiergehabe, projektiert in einer Zeit übermäßigen Wohlstands, eröffnet – wie bei Hochhäusern so oft der Fall – in Zeiten der tiefsten Rezession. Man hört und liest viel über all die Superlative des Gebäudes. Dass ihm ein nachhaltiges, wegweisendes, zeitgemäßes Energie- oder Betriebskonzept zu Grunde läge, wie man das heute eigentlich erwarten sollte, habe ich nirgends gelesen. Stattdessen ist den Eigentümern natürlich wichtig, das Gebäude (und damit vermutlich sich selbst) mit all den anderen zu vergleichen: http://www.burjkhalifa.ae/the-tower/worlds-tallest-towers.aspx

Der DAI-Präsident Christian Baumgart moniert in seiner Pressemitteilung völlig zu recht, dass Baukultur mit Werten zu tun habe und sich nicht durch „höher, größer, weiter“ definiere. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass es Bauwerke wie der Burj Khalifa sind, die es uns immer schwerer machen, Menschen für die wirklich wichtigen baukulturellen und gesellschaftlichen Themen und Aufgaben zu interessieren und zu begeistern. Denn es kann nicht darum gehen, mit Milliarden Prestigeprojekte zu realisieren. Es muss darum gehen – und zwar weltweit! – Neubauten mit Augenmaß zu errichten, Altbaubestände zu sanieren und energetisch zu optimieren, den Menschen ein lebenswertes Wohn- , Arbeits- und Freizeitumfeld, sauberes Trinkwasser und vernünftige Entsorgungssysteme zur Verfügung zu stellen und insgesamt eine nachhaltige Entwicklung durch unsere Planungs- und Bauprozesse voranzutreiben und dies verstärkt in den Ländern, die nicht aus eigener Kraft dazu in der Lage sind.

Damit hätten wir alle, die wir in das Baugeschehen involviert sind, eigentlich genug zu tun und ständen damit auch im Einklang mit allen Werten, die unseren Berufsstand auszeichnen. Aber natürlich drängt sich zum Schluss dennoch die provokante Frage auf: Würden wir deshalb das Angebot, beim Bau eines Gebäudes wie des Burj Khalifa mitzuarbeiten, ablehnen?

Ich freue mich auf Ihre Antworten und Einschätzungen!

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Die Kammer beteiligt sich am geplanten BaukunstArchiv NRW

Montag, 14. Dezember 2009 15:01

Unsere Vertreterversammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung in Essen einen aus meiner Sicht wunderbaren und zukunftsweisenden Beschluss gefasst: Wir als Kammer werden uns an dem geplanten BaukunstArchiv beteiligen, das künftig Ingenieurleistungen und Ingenieurnachlässe angemessen und sinnvoll verwahrt, aber auch zugänglich macht und ausstellt.

Für mich ist es sehr erfreulich, dass jetzt dieses Forum entsteht. Bislang war es leider häufig so, dass wichtige Nachlässe einer ganzen Generation von Ingenieuren und Planern, die das Baugeschehen in der Nachkriegszeit in NRW geprägt haben, einfach verloren ging. Die Situation war einfach unbefriedigend. Und für NRW nachteilig. Denn weil eine zentrale Anlaufstelle fehlt, gelangten die Nachlässe, sprich Wissen und Kreativität pur, häufig in überregionalen Spartenarchiven. Aber es geht auch noch um mehr als das. Der Schutz der Unterlagen von Architekten und Bauingenieuren sichert auch die Bauten selbst. Denn die Dokumente bieten detailliert die Grundlage, um Bauten Instand zu halten. Oder auch zu rekonstruieren. Denn bisweilen überdauern die Pläne die Gebäude selbst.

Wie spannend solche Archive arbeiten können, sieht man beispielsweise am Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst (saai) der (Exellenz-) Universität Karlsruhe. Übrigens ganz aktuell: In einer hervorragenden, so sorgfältigen wie klar gegliederten Präsentation wurde gerade im Kuriengebäude in Köln eine Retrospektive zu dem uns allen bekannten Fritz Leonhardt gezeigt, die in Karlsruhe aus dem Nachlass zusammengestellt worden war.

Sicher, es gibt auch das ausgezeichnet arbeitende A:AI der TU Dortmund. Seit 1995 sind dort bereits über 40 Vor- und Nachlässe zusammengekommen. Das zeigt besonders eines: Der Bedarf an einem solchen Archiv ist riesig. Und der Nutzen ist es auch. Denn neben Ausstellungen, die aus den Beständen entstanden sind, generierten sich auch zahlreiche Diplom- und Doktorarbeiten aus der Sammlung. Gleichzeitig ist das große Potential und das schnelle Wachstum für das A:AI auch der limitierende Faktor: Die Räumlichkeiten erlauben einfach keine weitere Expansion. Sprich: Das Archiv platzt schon jetzt aus allen Nähten. Eine Gesamtlösung ist also dringend angesagt.

Und ich glaube, dass das BaukunstArchiv uns Bauingenieuren noch mehr Vorteile bringt. Es beseitigt nicht nur die Namenlosigkeit unserer Arbeit, sondern eine kreative Präsentation wird auch inspirierend für unseren Nachwuchs sein.

Besonders passend ist für mich auch der Ort für das neue Archiv: Wir bekommen Räumlichkeiten auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Ein starkes Symbol für Bauingenieurkunst in NRW. Damit erneuert NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper eine Zusage, die sein Amtsvorgänger Oliver Wittke zuvor bereits gemacht hatte.

Ich freue mich darauf, jetzt in den Gründungsprozess mit einzusteigen!


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Das Vier-Augen-Prinzip – für mehr Sicherheit

Montag, 7. Dezember 2009 9:00

Vier Augen sehen mehr als zwei – wenn eine Weisheit über Jahrhunderte transportiert wird, dann ist klar: Da ist viel Wahres dran.

Menschen haben das Bedürfnis auf und ein Anrecht nach Sicherheit. Sicherheit gibt das eigene Wissen, aber meistens auch die zweite Meinung: Das eigene Wissen eingesetzt, überprüft durch eine zweite Meinung verhindert in vielen Situationen, Abläufen und sogar in ganzen Branchen sowohl Fehleinschätzung als auch Missbrauch. Die zweite Meinung, die weitere Einschätzung, die ergänzende Bewertung – ohne sie geht es nicht.

Im Bauwesen ist das Vier-Augen-Prinzip seit vielen Jahren bewährt. Das beginnt ganz informell, bei der Arbeit im Team. Wenn mehrere Beteiligte sich gemeinschaftlich mit einer Aufgabe befassen, ist bereits ein Regulativ vorhanden, das helfen kann, Fehler zu vermeiden. Es gibt aber auch Situationen, in denen das Vier-Augen-Prinzip verpflichtend vorgeschrieben ist. Die Zusammenarbeit des Ingenieurs, der die Statik erstellt, mit dem Sachverständigen, der diese überprüft (und der auch als Prüfingenieur bezeichnet wird), ist hier wohl die bekannteste Form.

Ein solches System funktioniert, wenn der prüfende Ingenieur unabhängig agieren kann. Er darf nicht beeinflussbar sein, weder durch den Ingenieur, der die ursprünglichen Standsicherheitsnachweise erstellt hat, noch durch dessen Auftraggeber, durch Behörden oder sonstige Personen. Diese Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, denn nur sie stellt sicher, dass sich der prüfende Ingenieur in seinen Aussagen alleine durch eines leiten lässt: durch sein besonderes, qualifiziertes Fachwissen.

Bei den statischen Planungen leistet dieses Vier-Augen-Prinzip seit vielen Jahren gute Dienste. Es hat sich bewährt, und niemand zweifelt daran, dass es richtig und wichtig ist. Auch aus dieser Erkenntnis heraus setze ich mich dafür ein, das Prinzip in allen Bereichen des Bauwesens, die sicherheitsrelevant sind, konsequent einzuhalten: in der Phase der Planung ebenso wie in der Phase der Ausführung. Und zwar nach strengem Neutralitätsprinzip: Der Überwachende darf nicht den wirtschaftlichen oder sonstigen Zwängen des Auftraggebers unterworfen sein, er muss frei von Weisungen agieren können. Wir haben in der Vergangenheit lernen müssen, dass Projekte, bei denen die überwachenden Funktionen nicht von unabhängigen Experten ausgeübt wurden – seien es Freiberufler oder qualifizierte Mitarbeiter aus Behörden – enorme Sicherheitsrisiken bergen können. Doch diese Risiken sind minimierbar, und zwar mit absolut vertretbarem Aufwand.

Natürlich kostet das Geld. Aber was sind die Alternativen? Wir müssen uns für die durchgängige Anwendung des Vier-Augen-Prinzips auf allen Gebieten, die sicherheitsrelevant sind, stark machen. Sicherheit ist nicht verhandelbar! Und überall, wo Menschen agieren, können auch Fehler passieren. Bauen ist ein komplexer Vorgang mit vielen Beteiligten und leider auch immer wieder unterschiedlichen Informationsständen der beteiligten Personen. Durch die Konsultation weiterer unabhängiger Experten, deren Aufgabe es nicht ist, zu bevormunden oder zu gängeln, sondern – in unser aller Interesse! – zu beraten, Informationslücken zu schließen, zu überwachen und zu prüfen, können wir den hohen Standard unserer Planungen und die erfolgreiche Realisierung sichern. Daran haben alle ein Interesse: die Auftraggeber, die Nutzer, die Behörden und wir Planer. Das Vier-Augen-Prinzip ist gelebter Verbraucherschutz.

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Sie haben einen tollen Studiengang gewählt!

Montag, 23. November 2009 14:05

Ein herzliches Willkommen allen Erstsemestern in den Studiengängen des Bauingenieur- und Vermessungswesens.

Seit einigen Wochen sind Sie in den Hochschulen unseres Landes dabei, sich die interessante und komplexe Welt des Bauwesens zu erschließen. Sie haben sich für eine Branche entschieden, die beste Berufs- und Karrierechancen bietet – auf allen Kontinenten. In der Ingenieurausbildung nehmen die deutschen Hochschulen eine Spitzenposition ein. Sie dürfen also darauf vertrauen, am Ende des Studiums bestens gerüstet zu sein für die Herausforderungen, die sich Ihnen international bieten.

Gerne möchte ich Ihnen anbieten, sich in allen Fragen, die die Berufsausübung betreffen, an die Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen zu wenden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle stehen Ihnen – wie auch ich und die in unseren Gremien ehrenamtlich tätigen Kolleginnen und Kollegen – für Auskünfte zur Verfügung. Vielleicht schauen Sie auch einmal auf unsere Internetseiten www.ikbaunrw.de und www.kein-ding-ohne-ing.de. Dort sind spezielle Rubriken eingerichtet, in denen wir versucht haben, umfassende Erläuterungen zu allen Fragen zu geben, mit denen sich Studierende und Jungingenieure konfrontiert sehen. Das reicht von der Vermittlung von Praktikumsplätzen über die Erläuterung des Eintragungsprozederes in die von der Kammer geführten Listen bis hin zu Informationen zum Versorgungswerk der Kammer. Und sollten Sie den Eindruck haben, im einen oder anderen Fall fehlen Informationen: Geben Sie uns bitte Bescheid!

Sie haben Ihr Studium in einer bildungspolitisch turbulenten Zeit begonnen. Wir wissen um die Probleme, die sich mit der Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse ergeben haben. In der Regel werden Ihre Semester bis zum Bachelor-Abschluss vollgepackt sein mit Vorlesungen und Seminaren. Suchen Sie von Anfang an den Kontakt mit Studienkollegen und zu Ingenieurbüros, in denen Sie Praktika absolvieren können. Das wird Ihnen die Arbeit erleichtern. Und der Bezug zur Praxis schon während des Studiums motiviert ungemein. Es ist nichts ungewöhnliches, heutzutage einen Arbeitsvertrag schon vor dem Studienabschluss in der Tasche zu haben. Denn gut ausgebildete Ingenieure werden in der Branche händeringend gesucht.

Auch wenn es pathetisch klingt: Der Beruf des Ingenieurs ist nicht nur schön und abwechslungsreich. Er hat auch große Bedeutung für das Funktionieren unserer Gesellschaft insgesamt. Wir Ingenieure des Bauingenieur- und Vermessungswesens behaupten zurecht, dass ohne unser Wirken nichts funktionieren würde: Gut ausgebaute Verkehrswege für Personen- und Güterverkehr, intelligente, sichere und energiesparende Gebäude, die Versorgung mit Trinkwasser, die Entsorgung und Reinigung des Abwassers, Strom aus der Steckdose und mobiles Internet – all das sind keine Selbstverständlichkeiten. Dahinter stecken intelligente Ingenieure, die ihr Wissen und Können dafür einsetzen, dass Wirtschaft und Gesellschaft reibungslos funktionieren: Kein Ding ohne ING. – das Motto unserer Imagekampagne trifft es genau!

Wenn Sie sich die ganze Bandbreite Ihrer später möglichen Tätigkeiten genau anschauen möchten, oder wenn Sie Familie und Freunden zeigen möchten, was Sie jetzt eigentlich genau studieren, dann finden Sie kompakte Informationen und zahlreiche Bilder auf unserer Kampagnenseite www.kein-ding-ohne-ing.de.

Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus der Kammer wünsche ich Ihnen einen guten Start ins Studium. Ich würde mich freuen, wenn wir uns einmal persönlich begegnen würden: in der Geschäftsstelle, bei einer unserer Veranstaltungen, bei einem beruflichen Projekt, an dem Sie mitarbeiten – oder auf der Baustelle.


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Die Pkw-Maut – sinnvolles Instrument zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur?

Montag, 9. November 2009 15:23

In bester Politiker-Manier hat der neue Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer, erneut ein Thema auf die Agenda gebracht, um das es in jüngster Zeit etwas ruhiger geworden war: die Pkw-Maut. Politiker machen das ja gerne. An einen Tag wird in einem Interview etwas angedeutet, an nächsten Tag Gesten-reich wieder zurückgerudert. Die Politiker sind fein raus – und das Thema köchelt in den Medien und in der Öffentlichkeit munter weiter.
In diesem speziellen Fall bin ich dem Bundesverkehrsminister allerdings dankbar dafür. Denn die chronische Unterfinanzierung unserer Verkehrswege bedarf dringend einer Lösung. Peter Ramsauer hat dafür die – in seinem Heimatland Bayern immer wieder geforderte – Pkw-Maut ins Spiel gebracht. Aber ist sie wirklich das geeignete Mittel? Brennend interessieren würde mich Ihre Meinung dazu! Nutzen Sie daher gerne die Kommentarfunktion, um Ihre Argumente und Ansichten darzulegen.
Es ist wohl unbestritten, dass für Unterhalt und Ausbau unseres Straßennetzes deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, als dies bislang der Fall ist. Die Maxime der vergangenen Jahre, der Schiene Priorität einzuräumen, muss kritisch hinterfragt werden. Mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, ist richtig und sinnvoll – sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus ökologischen Gründen. Allerdings sollte die Bahn meiner Ansicht nach die zur Verfügung gestellten Mittel auch wirklich in erster Linie in den Ausbau der Strecken investieren, und nicht in den Umbau ihrer Bahnhöfe in luxuriöse Shopping-Malls.
Gleichzeitig müssen wir aber feststellen, dass der Pkw- und Lkw-Verkehr in Deutschland durch den Ausbau der Bahnstrecken nicht abgenommen hat, sondern eher noch weiter wächst. Was bedeutet: Das Straßennetz darf nicht vernachlässigt werden – im Gegenteil! Derzeit erfolgt die Finanzierung der Straßen im Wesentlichen aus dem allgemeinen Steueraufkommen. Hinzu kommen Mittel aus der Lkw-Maut, die jedoch nicht in vollem Umfang in den Straßenbau zurückfließen – was ärgerlich ist! Bei einer Pkw-Maut wäre dies vermutlich nicht anders. Dabei ist es von höchster Bedeutung, dass die Mautgebühren zentral, zweckgebunden und transparent eingenommen und der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung gestellt werden.
Für die Pkw-Maut spricht, dass die Nutzer, nicht die Allgemeinheit, stärker in die Finanzierung der individuell genutzten Verkehrswege einbezogen werden. Grundsätzlich halte ich das für richtig. Denn während wir uns im europäischen Ausland über Mautzahlungen an der Finanzierung der dortigen Straßen beteiligen (müssen), ist Deutschland als größtes Transitland in Europa sehr großzügig. Eine Großzügigkeit, die wir uns eigentlich nicht leisten können und für die es keinen Grund gibt. Warum laden wir trotzdem alle Nachbarn ein, unsere Straßen kostenfrei zu nutzen? Ich weiß es nicht.
Ein Argument gegen die stärkere Nutzerfinanzierung ist allerdings: Bei allen anderen Verkehrsmitteln (Bahn, Flugzeug, Wasserstraßen) übernimmt in Deutschland derzeit auch die Allgemeinheit einen Großteil der Infrastrukturfinanzierung. Und es ist auch nicht absehbar, dass sich daran etwas ändern wird.
Schwierigkeiten sehe ich, wenn eine Pkw-Maut zu einer deutlichen finanziellen Mehrbelastung der Autofahrer führen würde. Der Staat müsste also an anderer Stelle eine Entlastung schaffen. Nur wie? Eine Senkung der Mineralölsteuer wäre naheliegend. Allerdings darf man getrost davon ausgehen, dass die Mineralölkonzerne die Spritpreise im Anschluss sukzessive wieder erhöhen würden, um das alte Preisniveau zu erreichen. Die Steuersenkung würde also keine Entlastung beim Autofahrer, dafür höhere Gewinne bei den Konzernen erzeugen. Ergo: untauglich.
Sehen wir uns die Kfz-Steuer an. Ich glaube nicht, dass die Bundesregierung bereit ist, diese zugunsten einer Pkw-Maut zu senken oder abzuschaffen. Denn dieser Steuer ist eine wichtige Steuerungsfunktion zugedacht. Über sie wird belohnt, wer schadstoffärmere, sparsamere Fahrzeuge besitzt.
Weitere Möglichkeiten der Entlastung gibt es kaum. Die Pkw-Maut würde somit in jedem Fall eine Mehrbelastung der Autofahrer darstellen. Zunächst müsste jedoch auch der Staat investieren. Erinnern wir uns kürz zurück an das Chaos bei der Einführung der Lkw-Maut. Ein derartiges Desaster darf sich nicht wiederholen. Daher ist davon auszugehen, dass keine auf aufwändiger Technologie basierende Mauterhebung in Frage käme. Mautstationen, die an Auf- und Abfahrten oder im Bereich einzelner Streckenabschnitte installiert würden, sind teuer und dem gewünschten Verkehrsfluss abträglich – außerdem ist an vielen Stellen schlicht kein Platz für derartige Anlagen.
Was bleibt? Die Vignette. Eigentlich erschreckend, dass im 21. Jahrhundert keine andere sinnvolle Lösung in Sicht ist, als bunte Aufkleber auf den Windschutzscheiben. Schlimm genug, dass diese „Technologie“ bei der Klassifizierung von Fahrzeugen im Zuge der Einführung von Umweltzonen in vielen Städten realisiert wurde. Für eine Maut müsste eigentlich eine modernere Lösung her.
Wenn ich eingangs gesagt habe, die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist unterfinanziert, dann bleibt als Schluss nur: Das System braucht mehr Geld. Da ich die stärkere Nutzerfinanzierung für den richtigen Weg halte, bin ich der Ansicht: Die Pkw-Maut ist sinnvoll. Sie kann keinesfalls die Finanzierung durch allgemeine Steuermittel ersetzen, aber sie bringt zusätzliche Mittel. Entlastung, allerdings nicht in vollem Umfang, sollte bei der Kfz-Steuer geschaffen werden. Die Autofahrer haben selbst ein ureigenes Interesse daran, sparsame und umweltfreundliche Fahrzeuge zu nutzen. Der Staat muss dies meiner Ansicht nach nicht zusätzlich durch niedrige Steuersätze belohnen. Die Kfz-Steuer (als ökologisches Steuerungsinstrument) könnte entfallen.
Wer sollte von den Mauteinnahmen profitieren? Die Einführung einer Maut für Autobahnen wird eine Verlagerung auf Bundes- und Landesstraßen nach sich ziehen. Ich denke, hier müsste über einen gerechten Verteilungsschlüssel nachgedacht werden. Die Mautpflicht selbst halte ich bei Bundesautobahnen und bei Autobahn-ähnlich ausgebauten Bundesstraßen für angebracht.
Die Vignette ist nicht gerecht, weil sie nicht zwischen viel- und wenig Fahrenden differenziert. Wir brauchen also ein intelligentes, zeitgemäßes System zur Strecken-abhängigen Mauterhebung, ähnlich dem System für die Lkw-Maut. In Zeiten, in denen jedes moderne Handy mittels GPS auf wenige Meter genau geortet werden kann, dürfte es kein Problem sein, auch Pkws standardmäßig mit entsprechender Technologie auszustatten. Wir sollten jetzt mit dem Aufbau dieses Systems beginnen und es in spätestens drei Jahren in Betrieb nehmen. Mit einem solchen System erhalten wir eine gerechte Lösung: Wer viel fährt, bezahlt mehr, wer wenig fährt, bezahlt weniger. Die Alternative: Wir fahren weder viel noch wenig, wir fahren gar nicht mehr. Weil wir alle im Stau stehen.


PS: Selbst wenn der Staat nicht beginnt, seine Bundesfernstraßen per Pkw-Maut zu co-finanzieren, bin ich mir sicher, dass schon bald die ersten Städte die Etablierung einer City-Maut vorantreiben werden.

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Droht Deutschland eine Bildungskrise?

Donnerstag, 15. Oktober 2009 12:38

Leider hat man den Eindruck, die Verantwortlichen wollen es schon gar nicht mehr hören. Und es mehren sich auch die Stimmen, die sagen: Schon wieder eine Bildungsstudie? Es ist richtig: Im Bildungssektor wird – von IGLU über PISA bis zur OECD-Studie – viel untersucht und evaluiert. Ich finde das gut und wichtig!

Die meisten Länder wollen genau wissen, wo sie stehen. Sie brauchen die durch Bildungsstudien ermittelten Fakten, um ihre künftige Bildungspolitik strategisch zu planen. Denn um nichts anderes geht es: Was muss ein Land tun, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben? Es muss permanent daran arbeiten, besser zu werden. Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die Schulen und Hochschulen. Daher dürfte es selbstverständlich sein, dass nur dann qualifizierte Absolventen für die Berufswelt – egal ob in der Praxis oder in der Forschung und Wissenschaft – zur Verfügung stehen, wenn an zeit- und bedarfsgemäß ausgestatteten Schulen und Hochschulen gelehrt werden kann.

Das ist das Wunschbild. Wie die Ergebnisse nahezu aller Bildungsstudien der vergangenen Jahre jedoch zeigen, ist Deutschland davon weit entfernt. Ich frage mich, warum das so ist. Nirgends differieren wohl Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung so sehr wie in der deutschen Bildungspolitik. Selbst miserable Rankings werden schöngeredet, bis die Aufmerksamkeit der Medien erlischt. Geändert wird anschließend jedoch wenig. Ist den Beteiligten eigentlich klar, dass sie damit die Zukunftsfähigkeit unseres Landes aufs Spiel setzen?

Damit wir uns richtig verstehen: Ich schätze das persönliche Engagement der meisten Lehrerinnen und Lehrer, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer. Sie leisten meist sehr gute Arbeit. Aber auch sie können ihr Engagement eben nur innerhalb der Rahmenbedingungen frei entfalten, die ihnen durch die Politik bzw. die Träger der Schulen und Hochschulen gesetzt werden. Und diese Rahmen sind zu eng gesteckt.

Die neueste Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegt zusätzlich eindeutig: Deutschland investiert zu wenig in seine Zukunft. Ich befürchte, dass der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise schon bald eine Bildungskrise folgt. Deren Auswirkungen für unser Land werden noch verheerender sein als das derzeitige Konjunkturtief. Wir brauchen effektivere Schulsysteme, eine bessere Ausstattung der Hochschulen und bessere Personalschlüssel an Schulen und Hochschulen.

Mathematik, Naturwissen- und Ingenieurwissenschaften sind Grundlagendisziplinen, die wirtschaftlichen Fortschritt und internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Forschung, Entwicklung und Innovationen ermöglichen. Ergänzt durch Soft Skills und Fremdsprachenkenntnisse geben sie Ingenieuren und Naturwissenschaftlern die notwendigen kommunikativen und gesellschaftlichen Kompetenzen und lassen sie international konkurrenzfähig bleiben.

Wir sollten konzentriert daran arbeiten, den Stellenwert von Ingenieuren in unserer Gesellschaft weiter zu fördern und auszubauen. Und wir sollten beginnen, Bildungspolitik als das zu betrachten, was sie in Wirklichkeit ist: Der wichtigste Baustein für die Sicherung der Zukunft unseres Landes.

Lesen sie hierzu auch die Pressemitteilung der IK-Bau NRW vom 10. September 2009.


Thema: Hochschulen und Bildung | Kommentare (0)

Guten Tag!

Montag, 12. Oktober 2009 13:21

Willkommen auf meinem neuen Blog. Mein Name ist Heinrich Bökamp, seit 20. März 2009 bin ich Präsident der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen, der größten berufsständischen Vertretung der Ingenieurinnen und Ingenieure des Bau- und Vermessungswesens in Deutschland.

Bloggen ist etwas Neues für mich, und ich bin schon sehr gespannt auf die Kontakte und Diskussionen, die sich hier ergeben werden. Warum habe ich beschlossen, mich künftig auf diesem Weg zu äußern? Dieses Blog ist keine Alternative zur täglichen Medienarbeit unserer Kammer. Es stellt für mich vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit dar, mich aktiv an Diskussionen zu beteiligen und meine Positionen zu politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und berufspolitischen Themen darzulegen.

Anders, als dies bei den klassischen Medien wie Print, TV oder Hörfunk der Fall ist, besteht hier jedoch eine hervorragende Möglichkeit, auch zuzuhören. Sie als Leser dieses Blogs können jederzeit die von mir vertretenen Standpunkte kommentieren. Und genau das fasziniert mich und darauf freue ich mich. Denn ich möchte genau das: Zuhören. Ihre Meinung kennen lernen, mit Ihnen Argumente austauschen. Von Ihnen auf neue Aspekte, Themen und Trends hingewiesen zu werden, das ist mir wichtig. Darum freue ich mich, wenn Sie von der Kommentarfunktion regen Gebrauch machen!

Womit wird sich dieses Blog inhaltlich beschäftigen? In erster Linie natürlich mit den Dingen, die Ingenieurinnen und Ingenieure des Bau- und Vermessungswesens interessieren und beschäftigen: wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Bildungs- und Hochschulpolitik, Qualität beim Planen und Bauen, Vorschriften, Normen und Regelungen, Fort- und Weiterbildung, internationale Zusammenarbeit. Aber Sie werden auch Beiträge finden über die Aktivitäten unserer Kammer wie beispielsweise unsere Imagewerbekampagne, unsere Veranstaltungen und Aktionen zur Nachwuchsförderung oder schlicht über Neuigkeiten in der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen selbst. Das Themenspektrum steht nicht abschließend fest – wie auch? Es wird sich entwickeln, und es wird sich auch an Ihren Interessen orientieren.

Dieses Blog ist übrigens nicht das Einzige, was wir im Web2.0/3.0 tun. Wir haben kürzlich eine Facebook-Seite eingerichtet. Auch dort können Sie sich jederzeit über die Aktivitäten der IK-Bau NRW informieren. Und wenn Sie keine Neuigkeit verpassen möchten, dann folgen Sie unserer Kammer doch einfach auf Twitter.

Sie sehen: Wir gehen in unserer Kommunikation moderne Wege. Wir tun dies, weil wir zum einen Freude daran haben, Neues auszuprobieren – wie sind schließlich Ingenieure! –, zum anderen, weil „Social Media“ heute für immer mehr Menschen zum Alltag gehört. Und wir sind gerne dort, wo sich die Menschen aufhalten, für die wir uns und die sich für uns interessieren. Denn nur so findet ein Dialog statt.

Ich freue mich auf Sie!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Dr.-Ing. Heinrich Bökamp


Thema: Allgemein | Kommentare (0)

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