Auf Frauen bauen: Interesse am Projekt auch in Hessen

Das Projekt „Auf Frauen bauen“, das das FrauenForum e. V. Münster und Frau & Beruf im Kreis Warendorf gemeinsam mit der Ingenieurkammer-Bau NRW umsetzt, zieht Kreise. Die Projektleiterinnen Gerlinde Amsbeck und Marithres van Bürk-Opahle waren jetzt in Wiesbaden bei der Ingenieurkammer Hessen zu Gast. Auch in Hessen ist man auf der Suche nach neuen Strategien in Zeiten des Fachkräftemangels. „Die Situation dort ist sehr ähnlich“, so Marithres van Bürk-Opahle. „Ingenieurinnen sind in der Kammer kaum vertreten. Viele weibliche Fachkräfte gehen den Unternehmen vor allem in der Phase der Familiengründung verloren.“

Im Projekt  wird derzeit in NRW die zweite Staffel mit Workshops für Büros und Coachings für Ingenieurinnen durchgeführt. Während die Frauen aus Büros ganz unterschiedlicher Größe miteinander berufliche und Karrierestrategien entwickeln, erarbeiten die Arbeitgeber und Personalverantwortlichen u.a. Ideen, wie sie sich Absolventinnen und erfahrenen Ingenieurinnen als attraktive Arbeitgeber präsentieren.

Derzeit wird geprüft, ob in den Workshops für die Ingenieurbüros zu Themen wie Personalentwicklung und Arbeitgebermarke auch Gäste aus Hessen teilnehmen können.

Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Bökamp freut sich über das Interesse aus Hessen: „Personalentwicklung macht nicht an Ländergrenzen halt. Mit dem Projekt ‚Auf Frauen bauen‘ wird das Bewusstsein für die Chancen, aber auch Risiken speziell für Frauen in hervorragender Weise geweckt. Der Erfolg des Projektes wird durch die Erweiterung des Teilnehmerkreises über die Landesgrenze mit neuen Impulsen angereichert.“

www.auf-frauen-bauen.eu

Eine enge Vernetzung ist der Schlüssel zum Erfolg

Gedanken zum Jahreswechsel

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen,
Dezember 2012 – ein weiteres aufregendes, rühriges und erfolgreiches Jahr liegt hinter uns. Das sichtbarste Zeichen für die Entwicklung ist der Umzug unserer Geschäftsstelle in den Medienhafen in Düsseldorf. Der Einzug in das Grand Bateau hat nicht nur den Standortvorteil, ganz nah am Landtag zu sein. Überzeugend war vor allem, dass das Versorgungswerk der Architektenkammer NRW Miteigentümer des Gebäudes ist. Damit leistet der Berufsstand einen unmittelbaren finanziellen Beitrag zur Stärkung der eigenen Versorgungseinrichtung.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident

Doch dass auch Landtagsnähe sich auszahlt, bewies unser Fest zur Einweihung der neuen Geschäftsräume. Mit dem damals amtierenden Bauminister Harry K. Voigtsberger und FDP-Chef Christian Lindner, den ehemaligen Bauministern Oliver Wittke und Lutz Lienenkämper waren neben vielen anderen Abgeordneten gleich mehrere Topentscheider aus Ministerium und Politik anwesend.
Doch auch in der konkreten landespolitischen Arbeit hat sich die Kammer immer fester vernetzt. Mit unseren Stellungnahmen u. a. zum Mittelstandsgesetz, Anerkennungsgesetz oder Klimaschutzgesetz haben wir auch im neu gewählten Landtag bereits Präsenz gezeigt.

Dr. Wolfgnag Appold, Hauptgeschäftsführer

Dr. Wolfgang Appold, Hauptgeschäftsführer

Intensiv sind derzeit die Überlegungen zu Fragen und Lösungen für den Ingenieurnachwuchs. Durch die Diversifizierung der Studienverläufe mit Abschluss Bachelor oder Master sind die bundesweiten Abstimmungsprozesse zum Ingenieurgesetz und zur Festlegung von Standards in der Ingenieurausbildung immer wichtiger. Dabei beachten wir die Positionen der anderen Länderkammern ebenso wie die des ASBau. Auf eine intensive Zusammenarbeit mit dem VDI NRW haben wir uns verständigt. Unsere gemeinsame Rahmenvereinbarung hat dabei zu einem intensiveren Kontakt und zur Abstimmung einer gemeinsamen Grundlinie geführt. Diese Prozesse sind vor allem von dem Ziel getragen, eine möglichst klare Definition für das Berufsbild des Ingenieurs zu schaffen.
Eines unserer weiteren großen Ziele ist die Vernetzung der Ingenieure mit ihrer Kammer, untereinander und mit Vertretern anderer Berufsgruppen. Deshalb haben wir auch in 2012 unsere regionalen Erfahrungsaustausche intensiv fortgesetzt. An zehn Orten in NRW haben Kammermitglieder die Gelegenheit genutzt, in zwangloser Atmosphäre untereinander und gemeinsam mit Vertretern des Vorstandes über die Kammerpolitik zu diskutieren. Beim Dialog Bauingenieurkunst diskutierten wir mit planenden und ausführenden Ingenieuren gemeinsam, und bei unserem Sachverständigen-Forum tauschten sich Ingenieure und Juristen aus.
Eine starke Mischung von Ingenieur­innen und Ingenieuren aus Büros, Behörden und Bauwirtschaft haben wir bei unserem erstmalig durchgeführten Vergabetag erreicht. Geplant hatten wir mit 250 Teilnehmern, erschienen sind gleich 400. Ein Anliegen war und ist uns die Transparenz in Vergabeverfahren unterhalb der Schwellenwerte. In Vorträgen und Diskussionen haben wir in der Veranstaltung für viel Aufmerksamkeit und Aufklärung gesorgt.
Die Leistungsstärke der Kammer für ihre Mitglieder haben wir 2012 auf der Deubau deutlich machen können. Zum Jahresauftakt war der Messestand der Kammer Anlaufstelle für ausgewachsene Ingenieure und für den Ingenieurnachwuchs. Die Mitglieder von „ID. Die Nachwuchsinitiative“ waren zum Networking-Nachmittag eingeladen. Die Teilnehmer des Tiefbaukongresses, bei dem auch wir einen Tag inhaltlich gestaltet haben, fanden hier den Raum für ihre Gespräche am Rande – weit über das rein Fachliche hinaus.
Aber nicht nur mit unserer ID.-Initiative, die sich an Studierende der Hochschulen wendet, haben wir den Nachwuchs im Blick. Ein Highlight unserer Anstrengungen, schon bei Schülern die Faszination des Berufes deutlich zu machen, war der Ideenpark 2012 von ThyssenKrupp. Für 13 Tage war auf 60.000 Quadratmetern ein Technik-Abenteuer-Spielplatz in der Messe Essen aufgebaut. Einer von 200 Partnern der Aktion war die IK-Bau NRW – und wir waren gleich mit drei Projekten vertreten. Rund 200 Jugendliche nahmen an den zweistündigen Workshops „Kinderwege in der Stadt“ und „Vermessung im Grugapark“ teil. Fast 10.000 Teilnehmer waren auf der Eventfläche „Leonardo-Brücke“ zu finden. Da ist die Beteiligung an der Kooperationsvereinbarung für Geodäsie gemeinsam mit dem Innenministerium und den Fachverbänden eine logische Folge für die Nachwuchsarbeit der Kammer.
Für das kommende Jahr haben wir uns wieder viel vorgenommen. Änderungen im Ingenieurgesetz stehen an. Und die Novellierung der Bauordnung steht auf der Agenda. Die Energiewende ist ein großes Ingenieurthema. Die Antworten auf Fragen zu zeitgerechtem und wirtschaftlichem Bauen drängen ebenso wie die zur Sicherheit und zum Erhalt bestehender Bauwerke – von Brücken bis zu Gebäuden aller Art. Die Nutzung von Social Media, von Clouds im Umfeld der Ingenieurplanungen und die Sicherstellung einer gesunden Umwelt im Zeitalter von Mais im Tank – alles Themen in der (Mit-)Verantwortung von Ingenieuren.
Wir wollen und werden als Ingenieurkammer-Bau NRW mitreden, Anregungen und Anstöße geben und auch mahnen, wenn es uns geboten scheint. Wir wollen die kompetente Stimme der Ingenieure im Bauwesen sein.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, glückliches, beruflich und privat erfolgreiches Jahr 2013.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp
Präsident

Dr. Wolfgang Appold
Hauptgeschäftsführer

Workshop-Reihe startet am 25. Januar

Was macht mich als Arbeitgeber aus? Warum sind die Arbeitsplätze in meinem Unternehmen attraktiv? Wer auf diese Fragen eine Antwort findet, könnte auch einem anderen Thema in Sachen Personal näherkommen: Wir würden gern mehr Ingenieurinnen einstellen. Aber die Frauen bewerben sich nicht.

„Employer Branding. Auf dem Weg zur Arbeitgebermarke“ heißt einer von vier Workshops im Programm „Auf Frauen bauen!“. Zugeschnitten auf die Fragen kleiner und mittlerer Ingenieurbüros wird hier gezielt an Strategien gearbeitet, um in Personalmarketing und -entwicklung stärker die Perspektiven und Bedürfnisse weiblicher Bewerberinnen und Mitarbeiterinnen zu berücksichtigen. Denn während viele Büros über einen Ingenieur- und Fachkräftemangel klagen, steigt an den Hochschulen die Zahl der Absolventinnen im Bauingenieurwesen. So hat sich in den vergangenen vier Jahren die Zahl der Studienanfängerinnen sogar verdoppelt. Von diesem Potenzial können die Ingenieurbüros profitieren – um offene Stellen zu besetzen, aber auch, um im Projektmanagement stärker mit gemischten Teams erfolgreich zu sein. Denn dass diese effektiver sind, hat u. a. die Unternehmensberatung McKinsey errechnet. Mit mehr als drei Frauen im Vorstand erwirtschafteten die untersuchten Betriebe eine 53 Prozent höhere Rendite.
Die IK-Bau NRW ist Kooperationspartner im Projekt „Frauen fördern – Fachkräfte entwickeln“. Die Teilnahme an den Workshops, die ab Ende Januar stattfinden, ist kostenfrei. Die Themen und Termine 2013 im Überblick (Infos und Anmeldung: www.auf-frauen-bauen.de):
• 25. Januar: Arbeitszeitmodelle und Personalstrategien
• 15. März: Der Arbeitgeber als Marke – Employer Branding und Akquisestrategien
• 14. Juni: Personalentwicklung und Führungskompetenz
• 13. September: Joker-Workshop für konkrete betriebliche und strategische Fragen

Wir knüpfen das Netz der Ingenieurinnen und Ingenieure in NRW noch enger

Die Ingenieurkammer-Bau NRW hat ihren Sitz in Düsseldorf. Das dient der Nähe zu den landespolitischen Entscheidungsträgern, zum Parlament und zur Landesregierung sowie der Tuchfühlung auf Augenhöhe zu den großen Landesbehörden. Das ist wichtig und richtig.
Die Mitglieder unserer Kammer sind selbstverständlich in ganz NRW zu Hause. Für uns bedeutet dies oft einen Spagat: Sowohl unsere Geschäftsstelle als auch die Ingenieurakademie West e.V. haben ihre Schwerpunkte, allein schon aus logistischen Gründen, am Sitz der Kammer. Dennoch wollen wir vermehrt in allen Regionen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes unterwegs und aktiv sein. Weil wir nicht erwarten, dass die Mitglieder ausschließlich zu uns kommen – vielmehr gehen wir auf unsere Mitglieder zu. Das entspricht unserem Selbstverständnis als Dienstleister für die Ingenieurinnen und Ingenieure des Bau- und Vermessungswesens in NRW.
Wir haben aus diesem Grund im laufenden Jahr unsere regionalen Aktivitäten bereits weiter ausgebaut und werden dies auch konsequent weiter ausbauen. Bereits die Herbst-Sitzung unserer Vertreterversammlung 2010 in Olpe, die ja erstmalig außerhalb von Düsseldorf stattgefunden hatte, hat gezeigt, dass wir damit zusätzlich auch eine gute Resonanz in der örtlichen Presse erzielen können. Die Ingenieur-Frühstücke, die es in diesem Jahr als „Erfahrungsaustausch: Ingenieurgespräche“ wieder gibt, haben bei den ersten drei Terminen in Aachen, Detmold und Duisburg sehr großen Anklang gefunden. Auch diese Reihe werden wir natürlich weiter fortsetzen. Mit großen Veranstaltungen wie unseren Messe-Präsenzen oder dem „Ingenium“ sind wir ohnehin in anderen Regionen aktiv. Mit all unseren Programmen und Projekten im schulischen Bereich sowie bei der Nachwuchsförderung – sei es durch unsere Leonardo-Brücken-Aktionen, „Kinderwege in der Stadt“ oder durch unsere Aktivitäten an und mit den Hochschulen und den Studierenden (z.B. ID. Die Nachwuchsinitiative) gelingt uns die NRW-weite Präsenz schon seit langem sehr gut.
Doch all das sollte keine „Einbahnstraße“ sein. Wir sind auf Ihre Mitwirkung angewiesen. Als Kammer können wir – das ist uns allein schon aus Kapazitätsgründen nicht möglich – nicht alle Themen und Veranstaltungen in NRW im Blick behalten. Wir können nicht jede politische oder berufspolitische Diskussion, die lokal oder regional geführt wird, in der Flut der täglich entstehenden Nachrichten „entdecken“. Unsere Monitoring-Instrumente sind zwar gut und unsere Kontakte sind weit verzweigt, aber alles bekommen wir dennoch nicht mit.

Daher meine herzliche Bitte: Wenn Sie irgendwo der Schuh drückt, wenn Sie glauben, dass es wichtig wäre, dass sich Ihre Kammer in eine Diskussion vor Ort einmischt, wenn Sie der Ansicht sind, dass es in Ihrer Kommune eine Veranstaltung gibt, bei der die Präsenz der Kammer wichtig wäre: Sagen Sie es uns! Denn die Kammer ist kein Selbstzweck. Sie ist dafür da, sich aktiv für die Interessen ihrer Mitglieder einzusetzen. Auf Bundes- und Landesebene, aber eben auch vor Ort in den Regionen oder in den Kommunen.
Und so schließt sich, denke ich, ein wichtiger Kreis. Wir sorgen mit weiteren Veranstaltungen und Möglichkeiten zum gegenseitigen kollegialen Austausch dafür, dass das Netzwerk der Ingenieurinnen und Ingenieure des Bau- und Vermessungswesens in NRW neue starke Knoten erhält. Und Sie wirken mit Ihrem Engagement daran mit, dass die einzelnen Seile unseres Netzes stärker und belastbarer werden.
Sie wissen ja: Ein Netz dient dazu, etwas „herauszuziehen“. Sie können aus dem Kammer-Netzwerk viel herausziehen: Informationen, Fachwissen und Kontakte. Nutzen Sie diese Möglichkeit. Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

 

Die Verantwortung liegt immer auch bei jedem von uns selbst

Das Leid der Menschen in Japan und die Tragik und Vielschichtigkeit der Unglücke – Erdbeben, Tsunami und Atomreaktorhavarie – verbieten es nach meiner Überzeugung, einzelne Ereignisse quasi als Argumentationshilfe für wie auch immer geartete politische Forderungen oder Aktivitäten zu instrumentalisieren. Dass in Deutschland über die Zukunft der Kernenergie debattiert wird, ist wichtig und richtig. Deshalb führen viele Menschen diese Debatte schon seit vielen Jahren sehr engagiert. Dass manche Politikerinnen und Politiker deren Sorgen und Ängste erst jetzt ernst nehmen, ist eher beschämend und entlarvend.
Eine Frage, die sich derzeit ebenfalls (noch) nicht stellt, ist die nach der „Schuld“. Sie wird erst dann wirklich zu stellen sein, wenn die größten Gefahren gebannt und die größte Not gelindert ist – was hoffentlich schnell gelingen wird. Die Ereignisse aufzuarbeiten und Schuldige zu ermitteln, das ist eine Angelegenheit der Sachverständigen und Gerichte und es ist zu hoffen, dass dies transparent und umfassend erfolgen wird.
Eine Frage, die aber durchaus gestellt werden kann und muss, ist die der Verantwortung. Die des Einzelnen, aber selbstverständlich auch die der Gesellschaft. Es ist in vielen der wohlhabenderen Gesellschaften leider üblich geworden, sich wenig mit den Konsequenzen des eigenen Tuns und Handelns sowie den Auswirkungen bestimmter Konventionen, Normen, Verhaltensweisen und Ansprüchen auseinanderzusetzen.
Verantwortung? Die wird auf Stellvertreter übertragen.
Anders ausgedrückt: Wir blenden komplexe Sachverhalte, komplizierte Themen, unangenehme Wahrheiten nicht selten einfach aus. Zuständig sind die Politiker. Zuständig sind die beteiligten Konzerne. Zuständig sind die Behörden, die Vorschriften erlassen und deren Einhaltung kontrollieren. Als Bürger ist man da fein raus – ein ganz kleines, wirkungsloses Rädchen im System der Großen.
Verantwortung? Wir als Gesellschaft? Vielleicht sogar ich als Individuum? Aber nein!
Ist das wirklich so? Wenn die Pisa-Studie Bildungslücken aufdeckt, wird auf Schulen und Lehrer gezeigt: Verantwortliche identifiziert. Wenn Billigfleischproduzenten Tiere quälen, fragt (noch immer!) zu selten jemand nach der Verantwortung der Verbraucher, die diesen Mist ja haben wollen und kaufen. Und wenn die kommunalen Straßen vor Schlaglöchern nur so strotzen, ist natürlich die Verwaltung schuld, die nicht genügend Geld für den Unterhalt aufbringt.
In Deutschland haben wir auf allen Ebenen von der Kommune bis zum Bund und Europa unsere gewählten Volksvertreter. Sie sind von uns beauftragt, Rahmenbedingungen für unser reibungsloses Leben zu schaffen. Gelingt dies im einen oder anderen Fall nicht, sind sie natürlich verantwortlich. Wozu haben wir sie sonst gewählt?
Wir haben es uns als Gesellschaft in vielen Bereichen mittlerweile zu einfach gemacht. Wir haben uns komfortabel eingerichtet in einem System, in dem andere zuständig und verantwortlich sind. In der Individualisierung und Selbstverwirklichung die höchsten Güter sind und Themen wie Gemeinsinn und gesellschaftliche Verantwortung oder gemeinsame Werte oft nur ein Schulterzucken ernten.
Ich bin der festen Überzeugung: Wir müssen wieder mehr darüber diskutieren, wie und in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickeln soll. Wir müssen, unabhängig von der Lage der öffentlichen Haushalte, über Werte diskutieren. Wie stehen wir zur Bildung? Wie gehen wir mit älteren, mit kranken, mit benachteiligten Menschen um? Wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen aus? Ganz banal und doch so komplex: Was wollen wir essen? Wie wollen wir arbeiten, wie wollen wir leben, zusammenleben?
Darüber müssen wir reden. Nicht nur in den Parlamenten. Sondern mit dem Nachbarn am Gartenzaun, mit den Kollegen bei der Arbeit, in Vereinen und Verbänden, Glaubensgemeinschaften und vor allem auch in unseren Familien.
Wer, wenn nicht wir als Gesellschaft, soll denn Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen? Sollen wir diese Verantwortung wirklich ausschließlich Stellvertretern übertragen, aus reiner Bequemlichkeit oder aus Desinteresse? Das kommt überhaupt nicht in Frage!