Nach der Krise: Stabilisiert die Konjunktur sich wieder?
Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
Weihnachten rückt näher, und auch der Jahreswechsel lässt nicht mehr lange auf sich warten. Zeit also, auf das zu Ende gehende Jahr zurückzublicken.
Zunächst können wir feststellen, dass die Konjunktur sich nach der Talsohle der Wirtschafts- und Finanzkrise wohl stabilisiert, sogar neues Wachstum für die nächsten Jahre angekündigt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Auftragslage in den Ingenieurbüros sich nun auch automatisch erfreulich entwickelt. Vor allem die Situation der öffentlichen Haushalte ist überaus angespannt. Unser Ziel muss es sein, dafür Sorge zu tragen, dass dennoch ausreichende Mittel für Unterhalt, Sanierung und Neubau des Gebäudebestands und der Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Denn mittelfristig ist dies die einzige effiziente Investitionsstrategie.
Verschiedene Themenschwerpunkte haben im Jahr 2010 die Arbeit in den Kammergremien und in der Geschäftsstelle geprägt, aber auch die öffentlichen Debatten zu berufspolitischen Themen bestimmt. Beispielsweise die Frage, was aus dem akademischen Grad „Diplom-Ingenieur“ wird. Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge ist er zunächst aus dem Blickfeld verschwunden, und nicht selten war unklar: Wer ist nach dem Studienabschluss eigentlich ein „Ingenieur“? Die IK-Bau NRW hat hier eindeutig Stellung bezogen. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der bewährte und weltweit geschätzte „Dipl.-Ing.“ der Vergangenheit angehören soll. Nach unserer Auffassung muss den Hochschulen die Möglichkeit eingeräumt werden, den „Dipl.-Ing.“ weiterhin zu vergeben.
Ein weiteres wichtiges Thema: die Sicherheitspartnerschaft. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass alle am Entstehen eines Bauwerks Beteiligten – vom Bauherrn über den Ingenieur bis zur ausführenden Firma – jeweils die größtmögliche Sicherheit einfordern und auch zu realisieren bereit sind. Das beginnt damit, dass Planungen nur durch qualifizierte Personen durchgeführt werden. Und es hört noch lange nicht damit auf, dass eine unabhängige Begleitung dafür sorgt, dass während der Bauphase nichts schief läuft. Die Sicherheitspartnerschaft zwischen allen Beteiligten ist unerlässlich – und wir Ingenieurinnen und Ingenieure sind ein besonders wichtiges Glied in dieser Kette.
Wir haben in diesem Jahr begonnen, intensiv um neue Mitglieder zu werben. Die Kampagne – Mitglieder werben Mitglieder! – zeigt erste Erfolge. Wir werden im kommenden Jahr bestrebt sein, die Zahl unserer Kammermitglieder weiter zu steigern. Ein engagierter Berufsstand braucht eine leistungsstarke Kammer. Und diese ist umso einflussreicher, je mehr Kolleginnen und Kollegen in ihr organisiert sind. Informationen zu unserer Kampagne gibt es auf der Internetseite www.kammer-der-moeglichkeiten.de.
Auch die Kampagne „ID. Die Nachwuchsinitiative“, mit der wir Studierenden das Angebot unserer Kammer näher bringen, ist erfolgreich gestartet (s. unten). Es ist wichtig, an den Hochschulen präsent zu sein und dort zu zeigen, wofür die Kammer steht und wie sie beim Studium und bei der Berufsausübung unterstützen kann.
Auch im zu Ende gehenden Jahr waren wir in vielen Gesprächen und Gremiensitzungen damit befasst, die Einführung und die Novellierung von Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften zu begleiten. Zu erwähnen sind in diesem Jahr insbesondere die Fortschreibung der HOAI und die EnEV 2012.
Stolz können die Ingenieurakademie West und die Ingenieurkammer-Bau NRW auf die großen Tagungen des Jahres 2010 sein. 600 Gäste bei der Brandschutz-Tagung, 550 bei der Bauphysik-Tagung und mehr als 200 beim Sachverständigenforum sind ein toller Erfolg.
Erfolgreich war auch unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2010. Die Präsenz in den Medien war enorm: Statements zu aktuellen Themen waren gefragt, über unsere Schüleraktionen wurde ausführlich berichtet, unsere Veranstaltungen fanden oft Widerhall in Zeitungen und Fachzeitschriften, im Fernsehen und im Radio sowie im Internet. Dort sind wir mittlerweile auch mit eigenen Videos präsent, Sie haben dies vielleicht schon gesehen. Wir sind der Ansicht, dass wir als Kammer alle zur Verfügung stehenden Kanäle intensiv nutzen müssen, um unsere Themen zu kommunizieren. Das funktioniert sehr gut, und deshalb werden wir es auch weiterhin so intensiv tun.
Ein Anliegen aus den Reihen der Mitglieder hat die Vertreterversammlung in ihrer Sitzung im November gerne aufgegriffen. Beschlossen wurde, im kommenden Jahr mehr Veranstaltungen in den Regionen durchzuführen. So wird es ab 2011 unter anderem wieder die früher bereits durchgeführten beliebten Ingenieurfrühstücke geben.
Vorstand und Geschäftsstelle der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen wünschen Ihnen und Ihren Familien ein schönes Weihnachtsfest, erholsame Tage zwischen den Jahren und ein gesundes und beruflich erfolgreiches Jahr 2011.