Beitrags-Archiv für die Kategory 'Baukultur'

Ein Bauwerk fürs Prestige, nicht für die Baukultur

Montag, 1. Februar 2010 15:24

Da steht er nun, Downtown Dubai. Gestalterisch nicht wahnsinnig revolutionär, aber technisch sicherlich interessant: der Burj Khalifa. Das derzeit und vermutlich auch auf absehbare Zeit höchste Gebäude der Welt ragt über 800 Meter in die Höhe und geizt auch sonst mit Superlativen. 160 Stockwerke, das höchste belegte Stockwerk der Welt (auf über 550 Metern Höhe), der längste Aufzugsschacht der Welt (der Serviceaufzug fährt bis auf 504 Meter), sehr teure Wohnungen, sehr teure Büros, und, und, und … Die Bausumme wird mit rund 2,85 Milliarden Euro angegeben. Wer sich zum gemütlichen Dinner auf Etage 122 zurückzieht oder von der Aussichtsplattform auf Etage 124 den sicherlich grandiosen Blick über die in den vergangenen Jahren aus dem Wüstensand gestampfte Retortenmetropole gleiten lässt, wird wohl beeindruckt sein. Es handelt sich ja auch in der Tat um beeindruckende Leistungen, die sich hinter der Planung und dem Bau dieses Bauwerks verbergen.

Hier einige der Fakten. Das Gebäude ist mit 828 Metern ziemlich genau 320 Meter höher als Taipei 101, das Gebäude, das seit 2004 die Liste der höchsten Gebäude anführte (508 Meter). 330.000 Kubikmeter Beton wurden verbaut, darin verbergen sich 39.000 Tonnen Bewehrungsstahl, umhüllt wird das Ganze von 142.000 Quadratmetern Glasfläche. Wie aufwändig Planung und Bau waren, zeigt eine andere Zahl: Für die Errichtung des Burj Khalifa waren 22 Millionen Arbeitsstunden nötig.

Die internationale Fachwelt hat sowohl Planung als auch Bau dieses „Tallest of the Tallest“, so einer der zahlreichen Eigenwerbe-Slogans, in den vergangenen Jahren mit professionellem Interesse verfolgt. Vom technischen Standpunkt aus gesehen ist es für Ingenieure natürlich eine Herausforderung, ein derartiges Gebäude so zu konstruieren, dass es sicher und funktionsfähig ist. Aber eine Rechtfertigung für das Projekt an sich ist damit natürlich nicht zwingend gegeben.

Denn nicht alles, was machbar ist, muss auch gemacht werden.

Genau deshalb stelle ich mir die Frage: Ist es verantwortbar solche Gebäude zu errichten ? Sind sie zeitgemäß, nachhaltig und angemessen im Einsatz unserer begrenzten Ressourcen ? Sind sie notwendig? Und haben sie auch nur im Entferntesten etwas mit Baukultur zu tun?

Beim Burj Kalifa geht es vorrangig ums Prestige und um nichts anderes. Das Signal, das in alle Welt gehen soll, lautet: Schaut her, wir können das – und nur wir in Dubai können das. Fakt ist, dass sie es doch nicht ganz alleine konnten. Zumindest war das Gebäude letztlich so teuer, dass nur die großzügige finanzielle Unterstützung des Nachbaremirats den Staatsbankrott in Dubai verhindert hat. Kunststück – 2,85 Milliarden Euro sind ja auch kein Pappenstiel und letztlich eine ziemlich teure Werbekampagne für einen ehemals wohlhabenden Staat, der sich in der Vergangenheit immer wieder mit ebenso spektakulären wie fragwürdigen Bauprojekten in die Medien und damit ins Bewusstsein der weltweiten Öffentlichkeit geschlichen hat. Erinnert sei nur an die künstlich aufgeschütteten „Palmeninseln“ – wenn ich richtig informiert bin, haben auch die die in sie gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt. Jedenfalls hat die Finanzspritze des (noch?) wohlhabenderen Nachbaremirats dazu geführt, dass das Gebäude nicht, wie ursprünglich geplant, Burj Dubai, sondern eben Burj Khalifa heißt – ein „Dankeschön“ für den finanziellen Hilfskraftakt.

Und nun stehen wir, die wir uns den Werten der (abendländisch-westlichen) Baukultur und den Erfordernissen der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen, wir, die wir uns mit Ökonomie und Ökologie von Baumaßnahmen gleichermaßen befassen wie mit den Bedürfnissen von Bauherren, Nutzern und Gesellschaft, vor diesem Gebäude. Und wir fragen uns, was das alles mit Baukultur im 21. Jahrhundert zu tun haben könnte. Die Antwort ist einfach: Nicht viel. Es ist reines Imponiergehabe, projektiert in einer Zeit übermäßigen Wohlstands, eröffnet – wie bei Hochhäusern so oft der Fall – in Zeiten der tiefsten Rezession. Man hört und liest viel über all die Superlative des Gebäudes. Dass ihm ein nachhaltiges, wegweisendes, zeitgemäßes Energie- oder Betriebskonzept zu Grunde läge, wie man das heute eigentlich erwarten sollte, habe ich nirgends gelesen. Stattdessen ist den Eigentümern natürlich wichtig, das Gebäude (und damit vermutlich sich selbst) mit all den anderen zu vergleichen: http://www.burjkhalifa.ae/the-tower/worlds-tallest-towers.aspx

Der DAI-Präsident Christian Baumgart moniert in seiner Pressemitteilung völlig zu recht, dass Baukultur mit Werten zu tun habe und sich nicht durch „höher, größer, weiter“ definiere. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass es Bauwerke wie der Burj Khalifa sind, die es uns immer schwerer machen, Menschen für die wirklich wichtigen baukulturellen und gesellschaftlichen Themen und Aufgaben zu interessieren und zu begeistern. Denn es kann nicht darum gehen, mit Milliarden Prestigeprojekte zu realisieren. Es muss darum gehen – und zwar weltweit! – Neubauten mit Augenmaß zu errichten, Altbaubestände zu sanieren und energetisch zu optimieren, den Menschen ein lebenswertes Wohn- , Arbeits- und Freizeitumfeld, sauberes Trinkwasser und vernünftige Entsorgungssysteme zur Verfügung zu stellen und insgesamt eine nachhaltige Entwicklung durch unsere Planungs- und Bauprozesse voranzutreiben und dies verstärkt in den Ländern, die nicht aus eigener Kraft dazu in der Lage sind.

Damit hätten wir alle, die wir in das Baugeschehen involviert sind, eigentlich genug zu tun und ständen damit auch im Einklang mit allen Werten, die unseren Berufsstand auszeichnen. Aber natürlich drängt sich zum Schluss dennoch die provokante Frage auf: Würden wir deshalb das Angebot, beim Bau eines Gebäudes wie des Burj Khalifa mitzuarbeiten, ablehnen?

Ich freue mich auf Ihre Antworten und Einschätzungen!

Thema: Baukultur | Kommentare (0) | Autor:

Die Kammer beteiligt sich am geplanten BaukunstArchiv NRW

Montag, 14. Dezember 2009 15:01

Unsere Vertreterversammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung in Essen einen aus meiner Sicht wunderbaren und zukunftsweisenden Beschluss gefasst: Wir als Kammer werden uns an dem geplanten BaukunstArchiv beteiligen, das künftig Ingenieurleistungen und Ingenieurnachlässe angemessen und sinnvoll verwahrt, aber auch zugänglich macht und ausstellt.

Für mich ist es sehr erfreulich, dass jetzt dieses Forum entsteht. Bislang war es leider häufig so, dass wichtige Nachlässe einer ganzen Generation von Ingenieuren und Planern, die das Baugeschehen in der Nachkriegszeit in NRW geprägt haben, einfach verloren ging. Die Situation war einfach unbefriedigend. Und für NRW nachteilig. Denn weil eine zentrale Anlaufstelle fehlt, gelangten die Nachlässe, sprich Wissen und Kreativität pur, häufig in überregionalen Spartenarchiven. Aber es geht auch noch um mehr als das. Der Schutz der Unterlagen von Architekten und Bauingenieuren sichert auch die Bauten selbst. Denn die Dokumente bieten detailliert die Grundlage, um Bauten Instand zu halten. Oder auch zu rekonstruieren. Denn bisweilen überdauern die Pläne die Gebäude selbst.

Wie spannend solche Archive arbeiten können, sieht man beispielsweise am Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst (saai) der (Exellenz-) Universität Karlsruhe. Übrigens ganz aktuell: In einer hervorragenden, so sorgfältigen wie klar gegliederten Präsentation wurde gerade im Kuriengebäude in Köln eine Retrospektive zu dem uns allen bekannten Fritz Leonhardt gezeigt, die in Karlsruhe aus dem Nachlass zusammengestellt worden war.

Sicher, es gibt auch das ausgezeichnet arbeitende A:AI der TU Dortmund. Seit 1995 sind dort bereits über 40 Vor- und Nachlässe zusammengekommen. Das zeigt besonders eines: Der Bedarf an einem solchen Archiv ist riesig. Und der Nutzen ist es auch. Denn neben Ausstellungen, die aus den Beständen entstanden sind, generierten sich auch zahlreiche Diplom- und Doktorarbeiten aus der Sammlung. Gleichzeitig ist das große Potential und das schnelle Wachstum für das A:AI auch der limitierende Faktor: Die Räumlichkeiten erlauben einfach keine weitere Expansion. Sprich: Das Archiv platzt schon jetzt aus allen Nähten. Eine Gesamtlösung ist also dringend angesagt.

Und ich glaube, dass das BaukunstArchiv uns Bauingenieuren noch mehr Vorteile bringt. Es beseitigt nicht nur die Namenlosigkeit unserer Arbeit, sondern eine kreative Präsentation wird auch inspirierend für unseren Nachwuchs sein.

Besonders passend ist für mich auch der Ort für das neue Archiv: Wir bekommen Räumlichkeiten auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Ein starkes Symbol für Bauingenieurkunst in NRW. Damit erneuert NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper eine Zusage, die sein Amtsvorgänger Oliver Wittke zuvor bereits gemacht hatte.

Ich freue mich darauf, jetzt in den Gründungsprozess mit einzusteigen!


Thema: Baukultur | Kommentare (0) | Autor:

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes